EMA aktuell

Aufbruch in Irak - „Das irakische Volk – friedlich, gastfreundlich, geschäftstüchtig“

Erfahrungsbericht über die Teilnahme von Dr. Abdelmajid Layadi
an der Delegationsreise nach Arbil, Irak, vom 19. bis zum 26. Oktober 2009.
 

Im Irak ist gegenwärtig eine wirtschaftliche Aufbruchsstimmung zu spüren, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr vorgeherrscht hat. Die Wachstumsraten steigen und private Investitionen nehmen zu.

Jedoch ist das Bild, das viele Deutsche vom Irak haben, noch immer von den Eindrücken der letzten beiden Jahrzehnte geprägt – besonders von Krieg und dem Leid des irakischen Volks. Ein wichtiges Anliegen der Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development (EMA e.V.) ist es, ein differenzierteres Bild vom Irak zu zeichnen, das nicht vorrangig von Gewalt und Konflikten bestimmt wird. Vielmehr gilt es, ein Land zu zeigen, das sich im Aufbruch und mitten im Wiederaufbau befindet - und welche Chancen sich daher deutschen Unternehmen bieten.

Der Irak nimmt derzeit eine zunehmend friedliche Entwicklung, die einhergeht mit wirtschaftlichem Wachstum und zunehmendem Fortschritt und Wohlstand. Besonders die nördliche Provinz und deren Hauptstadt Arbil entwickeln sich gegenwärtig vergleichsweise schnell und friedlich. Die Situation dort ist geprägt von Normalität und Stabilität. Man kann sich ohne Polizeischutz bewegen, denn Arbil zeichnet sich durch eine sehr starke und aufrichtige Gastfreundschaft aus, wie sie typisch für den ganzen Irak ist. Zudem sind die Menschen fleißig und gute Geschäftsleute. Die Freude am Handel und die Geschäftigkeit der Menschen sind tief verwurzelt in der irakischen Kultur. 
 
Der Geschäftsführende Vorstand der EMA, Dr. Abdelmajid Layadi, ist zur Unterstützung und Vertiefung der sich neu formierenden Beziehungen zwischen Deutschland und Irak am 19. Oktober nach Arbil gereist, um an einer vom DAAD und dem Goethe-Institut organisierten Konferenz teilzunehmen. Ziel ist, eine intensive deutsch-irakische Hochschulkooperation zu entwickeln. Workshops dienten zur Vorbereitung, deutschsprachige Einrichtungen in Irak zu errichten und zu unterstützen, um zukünftig in der nördlichen Region Iraks wichtige Qualifikationsmaßnahmen zu ermöglichen. Namhafte Institutionen, wie die Technische Universität Berlin und die Universitäten Dortmund, Friedberg und Erlangen, sowie irakische Hochschulvertreter, waren zugegen. In fünf Workshops wurden die Schwerpunkte in den Bereichen Informationstechnologie, Geologie, Regional- und Raumplanung, Maschinenbauwesen und Ökonomie behandelt. Diese Branchen sind, neben anderen, besonders zukunftsträchtig und erfolgversprechend. Die Entwicklung einer strategischen akademischen Partnerschaft zwischen Irak und Deutschland wird sich für beide Volkswirtschaften als Bereicherung erweisen. Deutscher Wissens- und Know-how-Transfer ist in Irak sehr gefragt und der irakische Markt bietet bisher ungenutzte Investitions- und Exportmöglichkeiten für die Bundesrepublik.
 
Welche Chancen die deutsch-irakische Wirtschaftsbeziehung und der Wissensaustausch bieten, wurde bereits auf der Messe der Wirtschaftsplattform Irak (WPI) deutlich, die eine Woche vor der Delegationsreise in Arbil stattfand. Insgesamt 27 Länder waren vertreten, unter denen Deutschland eine der größten ausländischen Fraktion ausmachte. Während 2008 nur zwei deutsche Unternehmen vertreten waren, nahmen in diesem Jahr fünfzig teil. Diese kamen unter anderem aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Metallbearbeitung, Energie, Pharmazeutik und Logistik. Neben einigen Großkonzernen sind es vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die auf der Messe präsent waren. Darunter waren sowohl Newcomer als auch Unternehmer, die bereits in den Siebzigern und Achtzigern Handel mit Irak betrieben hatten, und nunmehr daran anknüpfen wollen.
 
Da manche Unternehmer ihr Engagement auch von der Unterstützung aus der Politik abhängig machen, die in der Vergangenheit unter den gegebenen Umständen fehlte, ist es erfreulich zu sehen, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Schirmherrschaft für die Internationale Messe in Arbil übernahm. Dies zeigt, dass gute und starke Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschen und Irakern politisch gewollt sind und gefördert werden. Und das nicht nur von der Bundesregierung aus: Die irakische Regierung bezeichnet Deutschland als bevorzugten Partner für den wirtschaftlichen Wiederaufbau innerhalb der Europäischen Union.
 
Aus diesem Anlass empfängt die EMA am 17. Dezember 2009 eine Delegation aus dem Irak. Die Themen, die bei diesem Treffen aufgegriffen werden sollen, umfassen ausländische Direktinvestitionen in Irak, die irakische Wirtschaft vor der Herausforderung der Globalisierung, irakisches Investitionsrecht, die Ausbildung von Fachkräften sowie generell die Förderung des Arbeitsmarktes, die Entwicklung regionaler und internationaler irakischer Exporte und die Erwartungen der Bundesrepublik an die irakische Wirtschaft. Zudem sollen die gegenwärtige ökonomische Lage Iraks erörtert und Möglichkeiten für Handel, Investitionen und technische Zusammenarbeit zwischen Irak und Deutschland beziehungsweise Europa diskutiert werden.
 
Darüber hinaus geht es um die Entwicklung und das Management von Universitäten, Möglichkeiten der Kooperationen zwischen deutschen und irakischen Hochschulen, die Zukunft privater Bildungsangebote in Irak, deutsch-irakische akademische Kooperationen mit interkulturellem Hintergrund und die gegenwärtige Situation irakischer Hochschulen sowie deren Probleme und Perspektiven. Außerdem sollen generell Informationen zur Volks- und Betriebswirtschaftlichen Lehre an den ökonomischen Fakultäten ausgetauscht werden. Auf diesem Weg werden Wirtschaft und Wissenschaft zusammenhängend betrachtet.
 
Schließlich sind Investitionen in Bildung und ein lebhafter Wissensaustausch für die Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. In diesem Sinne engagiert sich die EMA für eine intelligente Vernetzung von Wirtschaft  und Wissenschaft durch die Herstellung von Kontakten und das Zusammenbringen von irakischen und deutschen Unternehmern und Akademikern.
 
Vom 14. bis zum 18. Februar 2010 organisiert die EMA gemeinsam mit Herrn Sadraddin K. Mohammad von der Handelskammer in Arbil eine Delegationsreise deutscher Unternehmer in den Irak. Die Schwerpunkte dabei sind Bauwesen und Infrastruktur, Agrar- und Lebensmittelindustrie, Telekommunikation und Gesundheitswesen. Deutsche Unternehmen sollen so die Chance bekommen, sich selbst von den Potenzialen und Möglichkeiten des Wirtschaftsstandortes Irak zu überzeugen, sowie mit Irakern in Kontakt zu treten, um partnerschaftliche und dauerhafte Beziehungen aufzunehmen.
 
Es ist nicht nur wichtig, dass deutsche Unternehmen Präsenz im Irak zeigen, sondern auch, dass sie durch Messen, Veranstaltungen und Delegationsreisen mit Entscheidungsträgern, namhaften Personen aus Wirtschaft und Politik, Akademikern und Wissenschaftlern sowie potenziellen Kunden und Geschäftspartnern in Kontakt kommen und Vertrauen aufbauen. Genau das ist ein zentrales Anliegen der EMA, da in der Region viel Wert auf persönliche Kontakte gelegt wird. Auf diese Weise bietet sich die Chance, dem guten Ruf deutscher Unternehmen, der auf hochwertiger Qualität und gutem Service basiert, gerecht zu werden.
 
In diesem Sinne begrüßt die EMA die Intensivierung der deutsch-irakischen Wirtschaftsbeziehung und des Wissensaustauschs und wird diesen Prozess in Zukunft mit viel Initiative und Unterstützung begleiten.
 von Johannes Schmidt

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